Interview: Der “BIM-Anwendertag” in München

Dirk Meinecke einer unserer „BIM-Manager“. Er betreut digitale Gebäudedatenmodelle in Architektur- und Bauplanungsprozessen verschiedener Unternehmen und hat sich im Rahmen der diesjährigen Messe “BAU” den “BIM-Anwendertag” angesehen.

Die gerade zurückliegende „BAU“ in München gilt als weltweite Leitmesse. Die Veranstalter sprechen von mehr als 250.000 Besuchern in diesem Jahr. Ca. 150 Teilnehmer – also 0,06 % – hatten den „12. BIM Anwendertag“ besucht. Ist „Building Information Modeling“ also immer noch ein Randthema?

Ich glaube, es hätten auch durchaus mehr Personen am Anwendertag teilgenommen, wenn die Räume größer gewesen wären. Die kostenfreie Veranstaltung war nach wenigen Tagen ausgebucht. Es ist sicher so, dass „Building Information Modeling“ momentan noch eher ein Thema für größere Planungsbüros ist. Software-Hersteller haben teilweise schon etwas in der Schublade, propagieren es aber noch nicht offen. Bauherren sind momentan noch nicht flächendeckend auf Veranstaltungen wie dem Anwendertag vertreten, aber das wächst momentan auch. Es ist definitiv festzustellen, dass es im letzten Jahr einen Zuwachs an Interesse gegeben hat und dieser Trend sich fortsetzt.

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Sie hörten 14 verschiedenen Referenten zu. Aus welchen Bereichen kamen diese? Wie war die Stimmung unter den Teilnehmern?

Da die Veranstaltung in zwei Gruppen aufgeteilt war, konnte man leider nur der Hälfte der Vorträge beiwohnen. Das Feld war dabei recht weit gefächert mit den Themen: theoretische Überlegungen zum Thema Standardisierung, Forschungsprojekte, konkrete „BIM“-Umsetzung und viele Praxisbeispiele. Man konnte feststellen, dass „BIM“ in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Viele Erfahrungen und Projekte laufen momentan noch nicht. Ebenfalls gibt es noch keine klare Definition, was „BIM“ genau ist. Dabei ist es sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sind und dabei voneinander profitieren können. Die einen machen einfach „BIM“ oder „BIM“-Management, die anderen forschen daran und befassen sich damit, wie das eigentlich in die aktuelle Planungslandschaft einzubetten ist. Es gibt noch nicht sehr viele Definitionen von Leistungsbildern oder Abläufen. Auf jeden Fall hat noch keiner die Wahrheit gefunden, aber alle arbeiten zusammen an einer deren Findung. Skepsis gab es natürlich auch, aber vielfach eher noch aus einer Unwissenheit heraus. Es wird erstmal ein Mehraufwand gesehen und die Vorteile sind vielfach noch vermutete Vorteile. Vieles ist in der Praxis noch nicht überprüft. Nach einzelnen Projekten ist es auch schwer, schon ein Fazit zu ziehen.

Welche Themen sind im Zusammenhang mit Building Information Modeling wichtig? Aus Referenten-, aber auch aus Teilnehmersicht?

Wichtig ist vor allem eine breite Basis. „BIM“ ist kein Thema nur für Planer! Sowohl Hersteller, Bauherren und Nutzer müssen im Prozess mitgenommen werden. Die Vorteile erschließen sich vor allem in der Zusammenarbeit, denn Erfahrungen, die einmal gemacht wurden, können weiter genutzt und ausgebaut werden. Deshalb ist „BIM“ auch kein Werkzeug, sondern ein Prozess. Das erfordert natürlich auch einen anderen Umgang der Planungsteilnehmer untereinander. Wenn ein Fachplaner das Modell des Architekten weiter nutzen kann, wie wird diese Leistung vergütet? Hier muss die vertragliche und rechtliche Seite geklärt werden. Aber man kann all diese Themen nicht immer im Vorfeld aufgreifen, man muss anfangen und schauen was passiert. Dabei sollte aber auch allen Beteiligten klar sein, dass man hier Neuland betritt und im laufenden Prozess entscheiden, wie damit umzugehen ist. Der Architekt hat auf den ersten Blick vielleicht die wenigsten Vorteile in einem „BIM“-Modell, weil alle die ihm folgen, seine Arbeit weiter nutzen können. Er legt quasi nur die Grundlage – da muss am Anfang vielleicht auch Vertrauen da sein, dass er dafür honoriert wird. Ein neutraler Berater kann hier von Vorteil sein, da er einschätzen kann, wer wann Vorteile hat, um den Kuchen entsprechend gerecht aufzuteilen.

Welche Hindernisse müssen noch auf dem Weg geräumt werden, bis Building Information Modeling eine Selbstverständlichkeit im Planeralltag wird?

So viele Hindernisse gibt es in meinen Augen gar nicht mehr. Viele Themen sind bereits geklärt oder in Klärung; anfangen kann man also. Damit es selbstverständlich wird, müssen einfach nur mehr Projekte entsprechend bearbeitet werden. Nur dann kann man die Vorteile bemessen oder auch die Nachteile, die es sicherlich genauso geben wird. Der Bauherr sollte bei seinen Projekte, ob privat oder gewerblich, „BIM“ fordern! Er hat grundsätzlich die größten Vorteile. Das muss ihm nur klar werden. Dann müssen zunächst die Architekten nachziehen, auf „BIM“ umstellen und anschließend werden auch die anderen Fachplaner folgen. Auch in diesem Thema gliedert sich alles nach dem einfachen wie bekannten Prinzip: Qualität, Kosten und Termine! Sobald einer dieser Punkte verbessern werden kann, ist es im Interesse des Bauherren, es auch zu tun. Wenn „BIM“ das leistet, wird keiner mehr dagegen argumentieren. Vielleicht steht da noch das ein oder andere Leuchtturmprojekt aus, mit dem das auch bewiesen wird.

Ihr Resümee der Veranstaltung in 3 Sätzen?

Man merkt, dass „BIM“ unheimlich an Fahrt aufnimmt und erste Projekte in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden. Immer mehr Planer, Bauherren und Hersteller springen auf den Zug und wollen etwas verändern. Wir dürfen nicht ungeduldig werden und glauben, dass „BIM“ innerhalb der nächsten 2 Jahre Standard ist, aber in 5 Jahren wird es eine große Veränderung gegeben haben.

Dirk Meinecke, danke für dieses Gespräch!